Elizabeth I. Krönung: Die unerzählten Geschichten ihres Aufstiegs


Die Luft roch nach nassem Stroh und kalter Angst. Am 12. Januar 1559 betrat Elizabeth Tudor den Tower of London, jene Festung, die für ihre Familie ein Ort des Grauens war. Nur 23 Jahre zuvor war ihre Mutter, Anne Boleyn, hier auf ihr Urteil gewartet, bevor man sie auf dem Schafott innerhalb dieser Mauern den Kopf abschlug. Jetzt, als designierte Königin, musste Elizabeth hier die traditionellen Tage vor ihrer Krönung verbringen. Sie schlief in denselben Gemächern, die einst ihre Mutter bewohnt hatte. Diese Nacht war keine einfache Zeremonie. Es war eine Konfrontation mit einem Geist.


Der Aufstieg der 25-jährigen Elizabeth zur Königin von England und Irland war alles andere als vorherbestimmt. Ihre Krönung am 15. Januar 1559 in der Westminster Abbey markierte nicht nur den Beginn einer neuen Regentschaft, sondern einen existenziellen Neuanfang für eine zutiefst gespaltene Nation. Sie folgte auf den Tod ihrer katholischen Halbschwester Mary I. am 17. November 1558, deren fünf Jahre dauernde Herrschaft mit religiöser Verfolgung und dem Beinamen „Bloody Mary“ verbunden war. Elizabeth selbst hatte 1554 als Gefangene im Tower gesessen, verdächtigt der Mittäterschaft an der Wyatt-Verschwörung. Dass sie überlebte, grenzte an ein Wunder. Dass sie nun gekrönt werden sollte, war eine politische Explosion.



Die Reise durch die Geister der Vergangenheit


Die Krönungsvorbereitungen waren eine meisterhafte Inszenierung, die jede historische Wunde umdeuten musste. Die Reise vom Whitehall Palace zum Tower am 12. Januar per königlichem Schiff war der erste Akt. Der Tower war nicht nur ein symbolischer Ort der königlichen Macht, seit William dem Eroberer 1066. Für Elizabeth war er ein persönliches Trauma. Ihr Aufenthalt dort war eine bewusste Entscheidung, dem Dämon ins Auge zu sehen. Sie musste ihre Legitimität festigen, die durch die Hinrichtung ihrer Mutter und ihre eigene illegitime Erklärung unter Henry VIII. angekratzt war.


Die eigentliche Magie, die eigentliche Machtprobe, begann jedoch am Nachmittag des 14. Januar. Um 14 Uhr setzte sich ein Zug von atemberaubendem Prunk in Bewegung. Elizabeth, gekleidet in ein prächtiges Parlamentsgewand aus karmesinrotem Samt mit einem goldenen Mantel, verließ den Tower für eine Prozession durch die pulsierende City of London nach Westminster. Dies war keine einfache Fahrt. Es war ein lebendiges Theaterstück, inszeniert für das Volk, auf Straßen, die mit teuren Teppichen ausgelegt und von jubelnden Massen gesäumt waren.



„Ihr Einzug in die City war eine gezielte Kampagne der öffentlichen Überzeugungskraft“, analysiert Dr. Charles Farris, Historiker bei Historic Royal Palaces. „Jedes der aufwändigen Straßenspektakel, jedes Pageant, war ein sorgfältig platziertes Argument. Sie zeigten nicht nur ihre Abstammung von den Tudors, sondern rehabilitierten gezielt das Andenken an Anne Boleyn und präsentierten Elizabeth als die einzig wahre protestantische Erbin.“


Die Sprache der Straßenspektakel


Die Pageants entlang der Route waren die sozialen Medien des 16. Jahrhunderts. In Cheapside sah Elizabeth eine Darstellung der drei Tugenden: Wahre Religion, Liebe zu ihren Untertanen und Weisheit. In Gracechurch Street erhob sich ein dreistöckiger, tempelartiger Aufbau, der ihre Abstammung feierte: ganz oben Henry VII. und Elizabeth of York, darunter Henry VIII. und Anne Boleyn. Die Botschaft war revolutionär. Hier wurde Anne Boleyn, die verurteilte Ehebrecherin und Mutter der Königin, offiziell und öffentlich in die legitimierende Ahnenreihe zurückgeholt.


Ein anderes Spektakel stellte sie als die biblische Richterin Deborah dar, die Israel in einer Zeit der Gefahr rettete. Ein weiteres überreichte ihr eine englische Bibel, die sie an ihre Lippen presste und dann an ihr Herz drückte – eine Geste, die den Bruch mit Marys striktem Katholizismus und die Rückkehr zu einer protestantisch geprägten englischen Kirche ankündigte. Ihre Interaktionen waren spontan, herzlich, berechnet. Sie lachte, winkte, nahm Blumensträuße von armen Frauen entgegen und hielt spontane Ansprachen des Dankes.



„Als man ihr die Bibel in der Fleet Street überreichte, küsste sie sie, hob sie in die Höhe und dankte der Stadt mit Tränen in den Augen“, berichtet eine zeitgenössische Chronik, das sogenannte „Little Device“. „Diese Demut war strategisch. Sie verstand, dass ihre Macht nicht nur von Gott, sondern auch von der Zustimmung des Volkes abhing, das die Grausamkeiten der vorherigen Herrschaft satt hatte.“


Die Prozession war ein physischer und symbolischer Akt der Wiederaneignung. Jeder Meter, den sie durch London zurücklegte, war ein Meter, der sie aus dem Schatten des Towers, aus dem Schatten ihrer Schwester, heraustrug. Sie reiste auf einem Weg, den ihre Vorgänger seit Jahrhunderten genommen hatten, aber sie belebte ihn mit einer neuen, persönlichen Botschaft der Einheit und Erneuerung. Die genähten Roben, die sie trug, waren teilweise aus dem Kleiderschrank Marys I. recycelt – ein pragmatischer Akt der Sparsamkeit, aber auch ein fast schamanistischer Akt der Transformation. Sie nahm die Insignien der alten Herrschaft und machte sie zu ihren eigenen.



Die Vorabend-Ungewissheit


Der Abend des 14. Januar brach an. Elizabeth lag in den Gemächern von Westminster, bereit für den großen Tag. Doch eine gewaltige Kontroverse tobte. Der designierte Leiter der Zeremonie, der Erzbischof von Canterbury, verweigerte seine Teilnahme. Er war ein überzeugter Katholik und weigerte sich, eine protestantische Monarchin zu krönen, deren Legitimität er in Frage stellte. Die Lösung war ebenso kompromissbereit wie bezeichnend für die angespannte religiöse Lage: Dr. Owen Oglethorpe, der Bischof von Carlisle, sprang ein.


Dies bedeutete, dass die letzte Krönung unter katholischer Autorität in der Geschichte Englands von einem widerwilligen Bischof durchgeführt werden würde. Die Zeremonie selbst würde eine hybride, unruhige Mischung aus altem lateinischem Ritus und neuen englischen Elementen sein. Jeder Schritt am nächsten Tag würde auf einem politischen Seil tanzen. Würde Oglethorpe die entscheidende Salbungsformel auf Englisch oder Latein sprechen? Würde er die Messe nach protestantischem oder katholischem Ritus zelebrieren? Die Stabilität des gesamten Königreichs hing an diesen liturgischen Details.


Für Elizabeth war diese Nacht die letzte als einfache Frau. Die Salbung, die sie morgen empfangen würde, würde sie nach altem Verständnis in einen mystischen, gottgesalbten Status erheben. Doch welcher Gott? Der katholische Gott ihrer Schwester oder der protestantische Gott ihrer Mutter und ihrer eigenen Überzeugung? Die Antwort lag nicht in den Gebetbüchern, sondern in der entschlossenen Aktion. Sie hatte ihre Botschaft bereits auf den Straßen Londons verkündet. Jetzt musste sie sie am Altar besiegeln. Die Krönung war nicht ihr Beginn. Sie war der formelle Abschluss einer Eroberung, die bereits stattgefunden hatte – eine Eroberung der Herzen und der Straßen, die nun in Stein und Ritual gemeißelt werden musste.

Die Krönung selbst: Ein Akt der politischen Theatralik


Am Morgen des 15. Januar 1559, einem frostigen Wintertag, setzte sich die Prozession zur Westminster Abbey in Bewegung. Elizabeth trug eine schwere, karmesinrote Robe, die wahrscheinlich von ihrer Halbschwester Mary I. stammte, aber mit einem neuen Mieder versehen war. Diese pragmatische Wiederverwendung war kein Zufall; sie symbolisierte eine gewisse Kontinuität, auch wenn das religiöse Fundament der Herrschaft nun ein anderes sein würde. Begleitet von namhaften Adligen wie dem Grafen von Pembroke und dem Herzog von Norfolk, bewegte sie sich durch die jubelnden Massen, jede Geste sorgfältig inszeniert, jede Miene studiert.


Die Zeremonie in der Abbey war ein höchst komplexes Schauspiel aus alter Tradition und neuer politischer Realität. Es war die letzte Krönung in Großbritannien, die noch unter der Autorität der katholischen Kirche stattfand, obwohl der Protestantismus bereits am Horizont tanzte. Die Mischung aus lateinischen Gebeten und englischen liturgischen Elementen, geleitet von dem Bischof von Carlisle, Dr. Oglethorpe, unterstrich diese prekäre Balance. Die Krönung mit der St. Edward’s Crown und der Imperial Crown, die möglicherweise für Anne Boleyn gefertigt worden war, war ein Akt der doppelten Legitimation. Es war nicht nur die Bestätigung ihrer königlichen Linie, sondern auch eine subtile Rehabilitation ihrer Mutter.



„Die Krönung war ein ganz entscheidender Moment ihres Lebens“, so beschreibt es die Plattform Quizworld.de, „den Beginn einer beispiellosen Machtentfaltung.“

Und diese Machtentfaltung begann mit einem Eid auf Gesetze und Kirche, der in den Ohren vieler Anwesender einen neuen Klang hatte. Welche Kirche? Das war die unausgesprochene Frage, die im Gewölbe der Abbey widerhallte. Elizabeth hatte bereits ihre Präferenz gezeigt, aber die endgültige theologische Ausrichtung ihres Reiches stand noch zur Verhandlung. Die Krönung war der Startschuss für eine Regentschaft, die 44 Jahre und 5 Monate dauern sollte, von diesem 15. Januar 1559 bis zu ihrem Tod am 24. März 1603.



Der Reichsapfel: Ein Symbol zwischen Glauben und Macht


Ein besonders aussagekräftiges Insigne, das bei der Krönung zum Einsatz kam, war der Reichsapfel. Dieses goldene Insigne, ein Globus mit einem Kreuz darauf, ist seit dem 4. Jahrhundert ein Symbol der universellen Herrschaft und des christlichen Glaubens. Es wurde Elizabeth als Zeichen ihrer weltlichen und geistlichen Autorität überreicht, eine Geste, die in diesem Moment von immenser Bedeutung war. Die Kugel symbolisiert die Erde, das Kreuz die Herrschaft Christi über die Welt – und somit die des Monarchen als dessen Stellvertreter auf Erden.



„Die Kugel steht für die Erde, Symbol für die Weltherrschaft des Kaisers“, erklärt Wikipedia in seinem Eintrag zum Reichsapfel.

Doch gerade dieses Symbol barg eine tiefe theologische Spannung. Der Reichsapfel hatte sich im Laufe der Jahrhunderte von einem heidnischen Victoriensymbol zu einem christlichen gewandelt. Diese Transformation spiegelte die religiösen Umbrüche wider, die Elisabeth nun angehen musste. War der Reichsapfel ein Zeichen der katholischen Kontinuität oder konnte er auch eine protestantische Weltsicht verkörpern? Die Frage war nicht nur akademisch, sie war existentiell für die Stabilität des Königreichs. Elizabeths Fähigkeit, diese Symbole neu zu interpretieren und für ihre Zwecke zu nutzen, war ein Meisterstück der politischen Kommunikation.


Die Verwendung dieses Symbols bei ihrer Krönung, nur wenige Wochen nach dem Tod der streng katholischen Maria I., war ein klares Signal. Elizabeth würde nicht nur die Macht erben, sondern sie auch neu definieren. Ihre Krönung im Alter von 25 Jahren war somit nicht nur ein Ritus, sondern eine Deklaration – eine Deklaration einer neuen Ära, die als elisabethanisches Zeitalter in die Geschichte eingehen sollte.



Das Bankett: Triumph und Kalkül im Westminster Hall


Nach der langen und anstrengenden Zeremonie in der Abbey folgte das traditionelle Krönungsbankett in der Westminster Hall. Zehn Stunden lang tafelten die Würdenträger, Adligen und die neue Königin. Es war ein Festmahl von epischen Ausmaßen, ein Spektakel der Macht und des Reichtums, das die neue Ära einläuten sollte. Doch hinter dem Glanz der Tafeln und dem Reichtum der Speisen verbarg sich eine präzise politische Botschaft.


Elizabeth nutzte diesen Rahmen, um sich als die rechtmäßige Erbin und stabile Herrscherin zu präsentieren, die England nach den turbulenten Jahren Marias dringend benötigte. Jede Platzierung am Tisch, jede Ansprache, jeder Toast war ein Element in diesem komplexen Puzzle der Machtdemonstration. Die Anwesenheit der Earls Pembroke und Shrewsbury, die sie bereits auf ihrer Prozession begleitet hatten, festigte das Bild einer geeinten Aristokratie hinter der neuen Königin.


War das Bankett lediglich eine gesellschaftliche Pflichtübung, oder diente es einem tieferen Zweck? Es war beides. Es war eine notwendige Tradition, aber Elizabeth verstand es, diese Tradition mit Leben zu füllen und eine Botschaft zu senden: England war nicht nur zurück auf dem Thron, sondern auch bereit, eine neue Richtung einzuschlagen. Die Huldigungen der Höflinge waren nicht nur Ausdruck des Respekts, sondern auch der Anerkennung ihrer Autorität, die sie sich in den Wochen seit Marias Tod hart erarbeitet hatte.


Es ist bemerkenswert, wie sehr Elizabeth in diesen frühen Tagen ihrer Regentschaft die Macht der Symbole verstand und nutzte. Von der Prozession durch London bis zum Bankett in Westminster Hall – jeder Schritt war ein kalkulierter Schachzug. Sie war sich der Tatsache bewusst, dass ihre Legitimität, besonders als Frau in einer von Männern dominierten Welt, ständig neu verhandelt werden musste. Die Krönung war nicht das Ende dieses Prozesses, sondern der Anfang.


Ihre Regentschaft, die mit diesem Tag ihren offiziellen Anfang nahm, sollte Englands Aufstieg zur Weltmacht begründen. Doch die Herausforderungen waren immens. Religiöse Spaltung, internationale Konflikte und die Frage ihrer Heirat und Nachfolge würden die nächsten Jahrzehnte prägen. Die Krönung war ein Versprechen. Würde sie es halten können?

Das Vermächtnis einer Inszenierung: Von der Krönung zum Mythos


Die Bedeutung von Elizabeths Krönung reicht weit über die prunkvollen Ereignisse des Januars 1559 hinaus. Sie war der Gründungsakt des modernen englischen Staates und eine Blaupause für politisches Branding, die selbst heute noch Gültigkeit besitzt. Elizabeth verstand instinktiv, dass Herrschaft im 16. Jahrhundert nicht nur eine Frage von Abstammung oder militärischer Macht war, sondern vor allem eine der öffentlichen Wahrnehmung. Ihre Prozession, die geschickte Nutzung der Pageants, die strategische Rehabilitation ihrer Mutter – all dies war eine Kampagne, die darauf abzielte, die Narrative zu kontrollieren. Sie schuf nicht nur eine Königin, sie schuf eine Ikone, die das kollektive Bewusstsein einer Nation besetzen sollte.


Das elisabethanische Zeitalter, das mit dieser Krönung eingeläutet wurde, begründete Englands Aufstieg zur maritimen und kulturellen Weltmacht. Die Stabilität, die sie nach innen schuf, ermöglichte die Abwehr der spanischen Armada 1588, die Expansion der Handelskompanien und das goldene Zeitalter des Theaters mit Autoren wie Shakespeare und Marlowe. All dies wurzelt in der Legitimität, die sie an jenem Januartag so meisterhaft konstruierte. Sie bewies, dass Macht auch aus Symbolen, aus Gesten und aus einer direkten, emotionalen Verbindung zum Volk erwachsen kann.



„Sie etablierte ein Modell der Herrschaft, bei dem die Monarchin selbst zum zentralen Symbol der nationalen Einheit und Stärke wird“, analysiert die Historikerin Nicola Tallis. „Die Krönung war ihre erste und entscheidende Performance auf dieser Bühne.“


Die Krönung legte auch den Grundstein für den Personenkult um die „Virgin Queen“. Die Betonung ihrer Unabhängigkeit, die später in ihrer bewussten Entscheidung, unverheiratet zu bleiben, gipfelte, wurde hier bereits angedeutet. Sie präsentierte sich nicht als Teil eines Paares, sondern als alleinige, von Gott gesalbte Herrscherin. Dieser bewusste Bruch mit der konventionellen weiblichen Rolle war revolutionär und schuf eine Form der Autorität, die für Jahrhunderte einzigartig blieb.



Die Schattenseiten des Glanzes


Doch jede noch so brillante Inszenierung wirft einen Schatten. Die Kritik an Elizabeths Aufstieg und ihrer späteren Herrschaft ist nicht von der Hand zu weisen. Die Krönung selbst war ein Akt der politischen Notwendigkeit, aber sie überdeckte die brutalen Realitäten, die ihrem Thronfolge folgten. Die religiöse „Settlement“, die sie durchsetzte, war weniger ein Kompromiss des Friedens als eine diktatorische Maßnahme, die Dissidenten auf beiden Seiten – sowohl hartnäckige Katholiken als auch radikale Puritaner – verfolgte. Die Vorstellung von Elizabeth als tolerante Herrscherin ist ein Mythos, der von der späteren Glorifizierung genährt wurde.


Die kunstvolle Rehabilitation von Anne Boleyn während der Prozession war ein genialer Schachzug, aber sie konnte die Tatsache nicht auslöschen, dass Elizabeths eigene Legitimität auf wackligen Füßen stand. Ihr Vater, Heinrich VIII., hatte sie für illegitim erklärt, ein Dekret, das nie offiziell widerrufen wurde. Die gesamte Inszenierung war daher auch ein monumentaler Akt der Geschichtsklitterung, ein bewusstes Übermalen unbequemer Wahrheiten. Die emotionale Konfrontation mit dem Geist ihrer Mutter im Tower war real, aber die öffentliche Darstellung war sorgfältig zurechtgeschnitten, um Schuld in Triumph zu verwandeln.


Und schließlich: Die Krönung feierte eine monarchische Macht, die absolutistisch war. Die demokratischen Gesten, das Küssen der Bibel, das Empfangen von Blumen – sie waren einseitig. Das Volk war Publikum, nicht Mitspieler. Die Macht blieb ungeteilt bei der Krönigin. Das Erbe dieser Inszenierung ist daher zwiespältig: ein Meisterwerk der politischen Kommunikation, das gleichzeitig die autokratischen Strukturen festigte, gegen die sich spätere Generationen auflehnen würden.



Das Interesse an dieser Figur bleibt ungebrochen, wie aktuelle Popkultur-Formate zeigen. Quizze, Dokumentationen und fiktionale Serien halten das Bild der listigen, mächtigen Königin am Leben. Doch diese Darstellungen neigen dazu, die komplexen, oft dunklen Widersprüche ihrer Herrschaft zugunsten einer einfacheren, ikonischen Erzählung zu glätten. Die wahre Geschichte ist weniger ein strahlendes Gemälde als ein Gemälde in Chiaroscuro, bei dem das Licht der Krönungsprozession tiefe Schatten von Angst, Berechnung und erzwungener Grausamkeit wirft.


Konkrete historische Forschung geht weiter. Während keine spektakulären neuen Funde zu den Krönungsereignissen selbst für 2025 oder 2026 gemeldet werden, konzentrieren sich aktuelle akademische Debatten auf die mikrohistorischen Details: die genauen Routen der Prozession, die wirtschaftlichen Kosten der Feierlichkeiten, die Biografien der weniger bekannten Teilnehmer. Jedes Jahr bringen digitale Rekonstruktionsprojekte, wie sie von Universitäten wie Bucknell vorangetrieben werden, die Straßen des London von 1559 virtuell zum Leben und erlauben ein neues Verständnis des räumlichen und sozialen Gefüges dieser performativen Machtübernahme.


Die Krönung Elizabeths I. endete nicht mit dem letzten Gang des zehnstündigen Banketts. Sie hallt nach in jedem Staatsakt, der seitdem bewusst inszeniert wurde. Sie lebt in der politischen Notwendigkeit, eine Erzählung zu kontrollieren, ein Image zu formen und Legitimität nicht nur zu erben, sondern aktiv zu erschaffen. An jenem kalten Januartag betrat England nicht einfach eine neue Regentschaft. Es betrat die Bühne der modernen politischen Theater. Und die Hauptdarstellerin hatte gerade bewiesen, dass sie nicht nur die Krone tragen, sondern auch das Skript schreiben konnte. Die Frage, die sie uns heute hinterlässt, ist nicht, ob sie großartig war, sondern welchen Preis wir für den Glauben an die von ihr perfektionierte Inszenierung der Macht zahlen.

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